Warum keine Storage-Aktien kaufen? Das sind die Antworten von zwei Branchenführern.
Als der Hype um KI-Infrastruktur die Speicherchip-Aktien in den Fokus rückte, entschieden sich jedoch Cathie Wood von Ark Invest und der Tech-Analyst Ben Thompson, Abstand zu nehmen. Erstere warnt: Eine Vervielfachung der Preise sei ein negatives Signal, da Cerebras, Groq und andere Anbieter von Inferenz-Chips auf technischer Ebene bereits den Hochbandbreitenspeicher umgehen. Letzterer zieht einen Vergleich zur iranischen Blockade der Straße von Hormus: Wenn diese Karte ausgespielt wird, suchen die Gegenspieler nur noch schneller nach Alternativen. Die Glanzzeit des Speichers könnte also gerade dessen Ausgangspunkt als ersetzbare Technologie markieren.
Inmitten des Investitionsbooms in KI-Infrastruktur scheinen Speicherchip-Aktien von der explodierenden Nachfrage nach Rechenleistung zu profitieren. Dennoch zeigen sich zwei bekannte Investoren und Technologieanalysten gegenüber dieser Entwicklung vorsichtig. Ihre Begründungen laufen auf eine zentrale Einschätzung hinaus: Die hohen Preise und Gewinnmargen im Speicherbereich schaffen die Voraussetzungen für ihre eigene Abschaffung.
Cathie Wood, Gründerin von ARK Invest, hat in einem aktuellen Podcast erklärt, warum sie keine Speicheraktien hält. Sie ist der Ansicht, dass Speicher der am stärksten commoditisierte und zyklischste Teil der Halbleiterindustrie ist. Der aktuelle, starke Anstieg der Preise sei kein normaler Zustand für die Technologiewirtschaft, sondern im Kern ein negatives Signal.
Unterdessen warnt der Technologiefachanalyst Ben Thompson mit einer noch schärferen Metapher, dass Speicherhersteller gerade den Fehler wiederholen, den Iran mit der Blockade der Straße von Hormus beging – kurzfristig wirksam, langfristig aber bringt das die gesamte Branche dazu, Umwege zu gehen.
Die Bewertungen der beiden stellen eine direkte Herausforderung für die derzeitige Stimmung am Markt dar, der Speicheraktien euphorisch bejubelt. Während die Nachfrage nach KI-Inferenz rasch wächst, werden die Aktien der Anbieter von High Bandwidth Memory (HBM) weiterhin stark nachgefragt. Doch die Logik dieser beiden Investoren mahnt Anleger zur Vorsicht und weist auf strukturelle Risiken durch einen Wechsel der technischen Leitlinien und eine proaktive Vermeidung auf der Nachfrageseite hin.
Cathie Wood: Hohe Preise sind Warnzeichen, keine gute Nachricht
Cathie Wood hat unlängst in einem Video direkt auf die Frage geantwortet, warum sie keine Speicheraktien hält. Sie gibt zu, dass ihre langjährige Erfahrung sie besonders vorsichtig gegenüber zyklischen Branchen macht.
Ihr zufolge ist Speicher das am stärksten commoditisierte Glied der gesamten Halbleiterindustrie, und die Schwankungen waren historisch stets massiv. Der derzeitige Anstieg der HBM-Preise – um das Drei-, Vier- oder sogar Zehnfache – sei in der Tech-Branche unnormal. "Die meisten halten das für eine gute Nachricht, aber tatsächlich ist es ein negatives Signal", so Wood.
Sie untermauert diese Einschätzung mit Blick auf die Cash-Flows: Ein jüngstes Diagramm zeigt, dass die freien Cash-Flows der Chiphersteller diametral entgegengesetzt zu denen der hyperscaler im Cloudbereich verlaufen – die Hersteller profitieren, die hyperscaler geraten unter Druck. Aber Wood betont, dass dieser Zustand nur temporär ist.
Entscheidender ist laut Cathie Wood, dass technologische Innovationen auf der Nachfrageseite aktiv die Abhängigkeit von HBM auflösen. Sie nennt Cerebras und Groq als Beispiele – wobei ARK mit seinem Venture-Fonds Groq-Anteile hält – beide Chipunternehmen benötigen in ihren Architekturdesigns keine High Bandwidth Memory.
Sie vergleicht diesen Trend mit dem Vorgehen von Tesla, Kobalt aus Batterien zu eliminieren: Sobald ein Element der Lieferkette teuer oder riskant wird, finden Ingenieure Wege, diese Komponente zu umgehen. "Im Bereich Inferenz erleben wir, wie die Nachfrage nach HBM systematisch durch Ingenieurskunst ersetzt wird", sagt sie.
Ben Thompson: Speicherhersteller richten sich selbst ins Visier
Technologie-Strategieanalyst Ben Thompson sieht die Speicherbranche aus Sicht des Wettbewerbs besonders kritisch. Mittels einer geopolitischen Analogie beschreibt er die strategische Zwickmühle der Hersteller.
"Ich vergleiche Speicherhersteller mit dem Iran", sagt Thompson. Seine Logik: Der eigentliche Wert der Straße von Hormus liegt darin, stets eine Karte in der Hand zu haben. Wird diese Karte tatsächlich ausgespielt, motiviert das die Gegenspieler, sie dauerhaft zu umgehen – "Jetzt haben sie die Karte gezogen, es hat zwar funktioniert, aber die Emirate und Saudi-Arabien bauen Pipelines und neue Häfen, damit sowas nicht noch einmal passiert."
Laut Thompson führt die hohe Preisstrategie der Speicherhersteller zum gleichen Effekt: Einerseits lobbyiert Apple, um chinesische Speicheranbieter zu integrieren und das bisherige Angebotsschema zu durchbrechen; andererseits rücken algorithmische Optimierungen zunehmend in den Fokus, mit dem Ziel, den Speicherbedarf zu minimieren.
"Ich befürchte, dass Speicherhersteller sich ähnlich verhalten", meint Thompson, "niemand wird sich beim Thema Speicher erneut in eine so passive Lage bringen lassen." Sein Fazit: Langfristig haben Speicherhersteller durch die Schaffung eines so großen "Angriffsobjekts" möglicherweise selbst ihr eigenes Ende eingeläutet.
Zwei Logiken, ein Fazit
Obwohl Cathie Wood und Ben Thompson mit unterschiedlichen Analyseansätzen arbeiten, kommen sie zum identischen Schluss: Die aktuelle Stärke der Speicheraktien beschleunigt ihren eigenen Ersatz.
Cathie Wood argumentiert aus Sicht des technologischen Fortschritts und hebt hervor, dass innovative Inferenzchip-Architekturen die systemische Nachfrage nach HBM senken werden; Ben Thompson analysiert Wettbewerb und Lieferkettenpolitik und zeigt, dass hohe Preise und Konzentration die Käuferseite zu Alternativen treiben – sei es durch algorithmische Anpassungen, neue Anbieter oder Systemarchitektur-Redesign.
Beide Analysen weisen Anleger auf ein beachtenswertes Risiko hin: Im Narrativ der KI-Infrastrukturinvestitionen könnte die Belastbarkeit der Speicher-Aktien weitaus geringer sein, als es der Markt aktuell erwartet – und das momentane Hoch ist möglicherweise der stärkste Antrieb, um Alternativen zu suchen.
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