Digitaler Euro verzögert sich: EZB signalisiert Start voraussichtlich nicht vor 2029
Der digitale Euro Europas wird laut Piero Cipollone, Mitglied des Direktoriums der EZB, in naher oder mittlerer Zukunft wahrscheinlich nicht für den breiten Einsatz bereit sein. Trotz jüngster Fortschritte in den Diskussionen und politischen Verhandlungen merkte Cipollone an, dass Mitte 2029 weiterhin der realistischste Zeitrahmen für eine Einführung bleibt, da wichtige technische Entscheidungen noch ausstehen.
Kurz gefasst
- Cipollone von der EZB signalisiert Mitte 2029 als realistischstes Startdatum für das Digital-Euro-Projekt.
- Die gesetzgeberische Zustimmung des Europäischen Parlaments bleibt das größte Hindernis für den Fortschritt.
- Die EU-Mitgliedstaaten streben an, bis zum Jahresende eine allgemeine Einigung über den digitalen Euro zu erzielen.
- Technische Debatten dauern an, mit Optionen von privaten Ledgers bis hin zu öffentlichen Blockchains.
Digitaler Euro voraussichtlich nicht vor 2029 trotz jüngster Fortschritte
Bei der Future of Finance-Veranstaltung von Bloomberg am Dienstag sagte Cipollone, dass die Initiative in der vergangenen Woche einen bedeutenden Fortschritt gemacht habe, nachdem europäische Finanzbeamte einen Rahmen für Nutzung, Kontrolle und Sicherheit geschaffen hatten.
Trotz dieses jüngsten Fortschritts betonte das EZB-Direktoriumsmitglied, dass „die Mitte des Jahres 2029“ weiterhin der wahrscheinlichste Zeitplan für einen Start sei. Er fügte hinzu, dass die EZB in aktiven Gesprächen mit allen Ebenen der EU-Mitgliedstaaten bezüglich des Projekts stehe.
Falls sich Cipollones Einschätzung bewahrheitet, würde der Zeitrahmen einen weiteren Rückschlag für das Projekt bedeuten, das 2020 gestartet wurde, um Europas finanzielle Dominanz angesichts des US-Stablecoin-Vorstosses zu stärken.
Parlamentarische Zustimmung als Schlüssel zum Fortschritt
Cipollone erklärte, dass das Europäische Parlament weiterhin das größte Hindernis für eine mögliche Einführung des digitalen Euro darstelle, da es noch keine gesetzgeberische Zustimmung erteilt habe.
Er sagte, die EU-Mitgliedstaaten sollten bis Ende dieses Jahres eine allgemeine Einigung erzielen. Ihm zufolge wird erwartet, dass das Parlament bis Mai 2026 eine formelle Position zum digitalen Euro einnimmt.
Wir sollten bis zum Jahresende zu einem allgemeinen Ansatz kommen, wie sie es nennen, einer Einigung unter den Mitgliedstaaten.
Piero Cipollone
Der irische Finanzminister und Eurogruppen-Präsident Paschal Donohoe erklärte letzten Freitag, dass die Vereinbarung es den EU-Ministern ermögliche, den digitalen Euro im Ministerrat zu diskutieren, bevor die EZB eine endgültige Entscheidung über die Ausgabe trifft.
Auch wenn Cipollone Mitte 2029 als mögliches Startdatum nennt, bereiten die europäischen Behörden bereits die Grundlagen für die CBDC-Vorbereitungen vor. Die EZB hat für den nächsten Monat ein Treffen angesetzt, um die nächsten Schritte zu besprechen, wobei ein MdEP voraussichtlich am 24. Oktober einen Fortschrittsbericht vorlegen wird.
Cipollone fügte hinzu, dass die Parlamentsmitglieder nach Veröffentlichung des Berichts sechs Wochen Zeit hätten, um Anpassungen vorzuschlagen, und weitere fünf Monate für Beratungen.
Fragen zu Design und Umsetzung bleiben offen
Über die gesetzgeberische Blockade hinaus steht der digitale Euro auch vor großen technischen Fragen. Berichten zufolge haben Beamte erwogen, das Projekt auf einer öffentlichen Blockchain wie Ethereum oder Solana zu starten, nachdem ursprünglich geplant war, es auf einem privaten Eurosystem-Ledger aufzubauen.
Befürworter argumentieren, dass der Aufbau auf einem offenen Netzwerk eine breite Akzeptanz fördern würde, während Kritiker auf Datenschutzbedenken hinweisen. Befürworter glauben, dass ein digitaler Euro den Einzelhandel-Zahlungsverkehr stärken könnte, indem er die Kosten senkt und die Transparenz erhöht. Dennoch bleiben andere skeptisch in Bezug auf den Datenschutz der Nutzer und wie die vorgeschlagene digitale Währung mit Banken und an Fiat gebundene Vermögenswerte koexistieren würde.
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